1. Juni 2021 // LWi // Umwelt

Jede Idee braucht Mitstreiter, um sie erfolgreich umsetzen zu können. Vor allem, wenn sie einen wirtschaftlichen Mehrwert generieren soll. Damit aus einer Idee eine Bewegung werden kann, müssen Mitstreiter den Sinn dahinter erkennen und eine ebenso große Begeisterung entwickeln, wie der Initiator.

Was auf den ersten Blick banal klingt, ist in der Praxis nicht immer einfach umzusetzen. Ein Video von Derek Sivers verdeutlicht jedoch, wie wichtig die ersten Mitstreiter sind. Dabei ist auf den verwackelten Bildern im Grunde genommen nur eine triviale Festivalsituation zu sehen. Doch sie entwickelt plötzlich eine enorme Eigendynamik, an der sich der Wert der ersten Unterstützer eindeutig ablesen lässt.

Einer macht den Anfang…

Stellen Sie sich vor, Sie sind bei einem Festival, liegen nach langem Tanzen auf der Wiese und entspannen sich. Hunderte Andere tun es Ihnen gleich. Nur eine einzige Person tanzt ausgelassen zur laufenden Background-Musik vom Band. Das ist insofern überraschend, als das sich der Musikstil von allem Vorherigen unterscheidet.

So wie der einsame Tänzer sind auch Innovatoren oder Führungskräfte häufig mit ihren Vorstellungen allein. Was sie auszeichnet ist ihr Mut und ihre Begeisterung, Dingen nachzugehen, die andere für unnötig, sinnlos oder lächerlich halten. Sie lassen sich nicht von ihrer Mission abbringen, selbst dann nicht, wenn sie allein auf weiter Flur stehen und andere Akteure aufgrund ihres Verhaltens skeptisch sind.

… der Erste erkennt das Potenzial …

Kehren wir gedanklich zurück zum Festival. Eine Person betritt die Wiese, sieht den einsamen Tänzer und beobachtet ihn. Kurz darauf bewegt sich der Hinzugekommene auf den einsamen Tänzer zu und beginnt ebenfalls zu tanzen. Zunächst wiederholt er einfach nur die Bewegungen, doch relativ schnell entwickeln beide gemeinsam neue Bewegungen und teilen so ihre Begeisterung.

Damit hat der einsame Tänzer hat einen Mitstreiter gewonnen – Follower 1. Dessen Rolle ist für den weiteren Verlauf besonders wichtig, denn er zeigt allen anderen, wie man Folgen kann. Dass die Begeisterung vom einsamen Tänzer auf den ersten Mitstreiter übersprang, hat mehrere Gründe. Der einsame Tänzer:

  • hat offen gezeigt, was er macht
  • hat dem ersten Mitstreiter keine seiner eigenen Bewegungen aufgedrängt
  • hat sich geöffnet und Raum gegeben, neue, gemeinsame Bewegungen zu entwickeln

Als Resultat dieser Offenheit und Gestaltungsfreiheit kann auch beim ersten Follower eine Begeisterung entstehen, die der des einsamen Tänzers gleichwertig ist. Apropos: Die Tanzenden sind sich auf Augenhöhe begegnet. Dennoch macht der erste Follower den einsamen Tänzer zum Anführer – ob er will oder nicht. “Wenn der Anführer der Feuerstein ist, dann ist der erste Follower der Funke, der das Feuer entfacht”, so Sivers. Was sie in dieser frühen Phase einer aufkommenden Bewegung eint, ist der dafür erforderliche Mut. Denn auch der erste Follower braucht ihn, um sich zu beteiligen. Schließlich macht er gemeinsam mit den Initiator etwas, was sonst keiner tut.

… eine Bewegung entsteht.

Ab jetzt geht es Schlag auf Schlag. Der erste Follower hat bewiesen, dass er ehrlich von der Idee begeistert ist und diese weiterempfehlen kann. In der Folge ruft er seinen Freund hinzu, um mit ihm die Begeisterung zu teilen. Der Freund kommt und nun tanzen bereits drei Personen auf der Wiese. Damit sind sie nicht mehr nur zwei Verrückte, sondern eine – wenn auch kleine – tanzende Gruppe. Diese Vorreiter bezeichnet man auch als Frühzeitige Anwender bzw. Early Adopters.


Robert Orzanna, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Zwar mag eine Bewegung nach diesen Grundgedanken schnell entstehen, doch auch hier gibt es wieder einige Punkte, die dafür erfüllt sein müssen.

  • Die Entwicklung muss für die Umgebung sichtbar sein
  • Die Öffentlichkeit muss bemerken, dass es sich nicht um eine einzelne Person mit einer Idee handelt, sondern dass sie Mitstreiter hat

Die Logik dahinter: Mitläufer ahmen Mitläufer nach, nicht Anführer. Zur tanzenden Gruppe aus drei Personen gesellen sich erst eine, dann zwei und ein paar wenige Tänzer mehr hinzu. Das ist zwar noch nicht die breite Masse, aber es entwickelt sich eine Eigendynamik – eine Bewegung ist entstanden.

Sobald dieser Moment erreicht wurde, passiert etwas Sonderbares: Für weitere Mitstreiter sinkt kontinuierlich das Risiko, sich der Bewegung anzuschließen. Denn sie machen sich nicht mehr lächerlich, fallen nicht mehr auf und werden Teil einer Bewegung. Sie gehören dazu und können sich – wenn sie schnell einsteigen (Frühe Mehrheit) – zum Kern der Bewegung, zu den Gestaltern der Idee zählen. Das Paradoxe an dieser Dynamik: Je mehr Zeit vergeht, desto größer wird das Risiko, lächerlich zu wirken, weil man sich der Bewegung nicht angeschlossen hat. Es wird umso größer, je stärker der Mainstream involviert ist. Welcher Zeitpunkt der “richtige” für einen Einstieg in eine Bewegung ist, ist individuell verschieden und orientiert sich unter anderem an der persönlichen Risikobereitschaft, aber selbstverständlich auch an der Höhe des Risikos.

Auf der Festivalwiese sitzen nach wenigen Minuten nur noch wenige Personen – Hunderte tanzen. Sollten sie sich doch noch entscheiden, irgendwann mitzutanzen, werden sie die Nachzügler bzw. die Late Adopters sein. Das ist zwar kein Makel – aber Nachzügler haben tendenziell schlechtere Chancen, ihrer Stimme auch Gehör zu verschaffen.

Was können Sie für Ihr Unternehmen aus diesem Beispiel mitnehmen?

In den seltensten werden Sie im Unternehmenskontext durch Vortanzen eine Bewegung starten können. Doch anhand dieses Beispiels lassen sich Punkte ableiten, die auch im Business gelten:

  1. Wenn Sie eine Idee haben, legen Sie los.
  2. Machen Sie sich bewusst, dass Mitstreiter wichtig sind.
  3. Schaffen Sie Offenheit, Augenhöhe und Gestaltungsmöglichkeiten.
  4. Machen Sie ihre Idee für andere sichtbar und leicht anschlussfähig.
  5. Vertrauen Sie darauf, dass der erste Follower weitere mit sich bringen wird.
  6. Verfolgen Sie Ihre Idee konzentriert weiter.
  7. Bleiben Sie geduldig.

Sivers fasst diesen Ansatz mit folgenden Worten zusammen: „Es gibt keine Bewegung ohne den ersten Mitläufer. Man sagt uns, wir müssten alle Anführer sein, aber das wäre wirklich ineffektiv.“ Doch selbst wenn Sie kein Innovator oder Begründer einer Bewegung sind oder sein wollen, können Sie eine wichtige Rolle übernehmen: Die des ersten Followers. Wenn Sie also Personen begegnen, die etwas anders machen als alle anderen und Ihnen dieser Weg gefällt: Haben Sie den Mut, der erste Mitstreiter zu sein, anderen davon zu erzählen und die Idee zu einer Bewegung zu machen.

So einfach dieses Prinzip in der Theorie klingt, so schwer ist es in der Praxis umzusetzen. Was es dafür dringend braucht, ist eine offene und klare Kommunikation. Gern unterstützen wir Sie dabei, Ihre Ideen im Unternehmen sichtbar zu machen und den ersten Mitstreiter zu finden.